Ihr fühlt euch fertig? dann seid ihr es. Keine Sorge, das geht wieder weg. Denn, wo immer man irgendwo fertig ist, egal womit, kommt irgendwann der Tag, der das Fertige in eine Schachtel packt, sie mit „Gestern“ oder „letztes Jahr“ beschriftet und dann vergisst. Man bemerkt also kaum, dass er Inhalt sich seiner Fertigkeit ganz von allein wieder entzieht. Fällt nur gelegentlich auf, aber dann mitunter sehr physisch. Wenn man in der Schachtel zufällig wohnt, zum Beispiel. Wenn das Dach vermoost, der Garten verwuchert, die Heizung leckt und den Keller zersetzt. Und wer sich dann nicht aufmacht, die Dinge abermals wieder fertig zu machen, der wird abgefertigt, von herabstürzenden Dachziegeln oder einer explodierenden Heizung. Es kann aber auch sehr lustig sein, die fertige Unfertigkeit von Dingen zu bestaunen. Vor allem von Jenen, die man selbst mal für fertig befand und mit Abstand durch Zeit und Weisheit nun das Gegenteil findet. Auch dann, wenn sich das Fertige in seiner Fertigkeit objektiv gar nicht verändert hat. Selbst eine Mona Lisa könnte also nur deshalb so grandios fertig sein, weil man sie nicht anders kennt. Und niemand wissen kann, ob Leonardos Auftragsarbeit ihn heute nicht selbst ziemlich fertig machen würde, weil sie so unfertig schief guckt, vielleicht, oder weil die Zeit die Farbe abgefertigt hat. Was manche Mönche munkeln lässt, dass der schönste Moment im Leben des Sisyphus nicht der Stein-auf-Berg-Moment, sondern der Stein-kommt-auf-Berg-Vorgang war. Wovon man im Olymp aber nichts wissen will; genauso wenig, wie von den zugehörigen Sprüchen, gedruckt in Kalender und tätowiert an die Wohnzimmerwände Geschmackssuchender. EY, ZEUS!? Mögen deine Blitze einschlagen in die einschlägigen Wand-Tattoos, auf dass man zumindest mit diesem Thema fertig ist. Und aus den Ruinen der Gedanke qualmt, dass nicht selten das Ziel im Weg steht, wohin auch immer man nochmal wollte.
abgefertigt

