Es war einmal… ein kleiner, schlandiger, Vorgarten. Rasen mit britischem Akzent und korrekt verkrampften Kanten, Hecke links, Hecke rechts, penibel orchestrierte Pflanzen.. Und dazwischen, natürlich: Neid. Denn sie standen sich direkt gegenüber, Frau Thuja und Herr Kirschlorbeer. Und beide sahen nur, wie schön die andere Seite wuchs. Permanent lag deshalb Heckenstress in der Luft. Und weil Pflanzen, wie alles Rumlebende, motiviert sind ab Werk (und niemand als bocklose Biomasse phlegmatisch rumwurzelt), überschlugen sich die Ideen, wie man die Gegenhecke wohl am schönsten beim Wachsen stressen könnte. Und zwar möglichst diskret, darauf bestand der englische Rasen. Auszüge ihres Brainstormings: Frau T.: „Wir küren eine Kirschlorbeere des Monats! Eleganter kann man der restlichen Hecke doch kaum mitteilen, wie schlecht sie wächst. Auch die Monatspflanze wird beschämt sein.“ Herr K.: „Wachstumsbezogene Bewässerung! Misstrauen lässt sich nicht herzhafter ausdrücken, als ein Fragezeichen hinter die Leistungsbereitschaft der Thujen zu stellen, in Form eines variablen Wasseranteils. Schicker Nebeneffekt: Sie wachsen dann nur noch, wenn sie ein Fußbad brauchen, und nicht, weil sie schöne Pflanzen sein möchten.“ Frau T.: „Wir zerhacken ihren Wachstumsprozess in möglichst kleinteilige, kaum mehr nachvollziehbare Schritte. Dabei werden sie den Blick auf den Garten verlieren, sich maximal austauschbar fühlen und jede Düngergabe als Entschädigung für verlorene Lebenszeit betrachten. Hach.“ Herr K.: „Wir halten sie in unkrautfreien, hochgezüchteten Monokulturen. Ein abenteuerlustiger Zünsler hat dann leichtes Spiel…“ Und so verloren sich die gestressten Hecken im Dickicht pseudorationaler Frustrationstheorien und als auch die letzte Pflanze einging, ersetzte sie der Gärtner durch Schotter.