Sieht man genau, bei einem Gruppenfoto, ob der Photograph Spaghetiii hören wollte. Dann grinsen alle künstlich, und alle wissen wieso. Gestellt wie bestellt. Nichts falsch daran, wir sind umgeben von Spaghetti-Content und laufen selbst oft mit Nudelgesicht durch die Flure. Unverstellte Gestelltheit, bewährte Methode. Wild wird’s dann in der Werbewelt, wo man sich versteht, auf „Authentizität“, oder was man dafür hält. Denn was der Photograph dann hören will, ist kein: „Sei einfach du“ sondern: „Ich möchte nicht Spaghetti hören, sondern sag deine Lieblingsnudel aber ohne i am Ende, das soll man aber nicht sehen können, sondern spüren. Got me? Fühl es, sei Nudel!“ Am Ende stolpern dann Menschen aus Plakaten, weil sie versuchen Tagliatelle zu fühlen, während sie an Bockwurst denken und „Eleganz aus Leidenschaft“ sagen. Man sieht genau: Ein hart erarbeiteter Gesichtsausdruck. Auch der kann überzeugen, wenn auch nicht vom Autokauf, dann eben als unterhaltsamer Wurstschluckauf – und überhaupt fällt auf: Am allerliebsten bewirbt der Mensch sich selbst. Ohne Briefing und Budget, Initiativ in die Luft aus purer Lust am Leben und Geben. Und drückt mit Nachdruck den eigenen Gesichtsausdruck in so viele Timelines wie möglich. Unmöglich, den inneren Photographen dann bei Sinnen zu halten, denn sein Briefing wird artistisch: „Ich möchte, dass du nicht von Nudeln sprichst, denn das machen alle, aber du bist nicht alle und das soll die Welt wissen, aber niemand soll wissen, dass du willst, dass sie das sollen! Und spätestens dann kanns passieren, dass man vergisst, wer der Photograph überhaupt ist. Und vielleicht das vermisst, was man denn eigentlich ist, drunter, oder hinter dem Nudelgesicht.
Nudelgesicht

