Test

Lieber Lesezirkel. Beim Lesen muss man waghalsig sein. All In. Denn bezahlt wird bar und im Voraus, mit der härtesten Währung aller lebenden Wesen! Mit ZEIT. Leben gegen Lesen. Geht nur Prepaid. Man gibt sie aus, um zu erfahren, wofür. Und muss mit allem rechnen. Dass man dies kaufen soll, obwohl man jenes wissen wollte. Und will man wirklich was kaufen, wird man im Wortschaum ertränkt. Oder merkt am Ende der Lektüre, dass man nichts gemerkt hat, sondern den Autor beim Ausleben seiner narzisstischen Akzentuierung begleiten durfte. Leider sehr Gesellschaftskonform. Zefix. Journalisten stalken Street Art Künstler, um sich feierlich richtig und wichtig zu finden? Der Leser muss durch. Als Proband. Wie nur kann man sich rächen, wo ist der tröstende Gedanke? Es bleibt nur niedere Schadenfreude. Denn auch die Schreiberseele leidet, ist grausam verstrickt, schreibt immer für viel zu viele, für eine unkalkulierbar nörgelnde Masse und immer auch für sich selbst. Eine multipolare Neurose. Und wer der ein Schnippchen schlagen möchte, wer auf die wahnsinnige Idee kommt, dann das zu schreiben, von dem er dünkt, dass es das Zielgrüppchen so wünscht, ist verloren. Betreibt literarischen Inzest. Enteiert sich prophylaktisch. Tippt sich mit Anlauf und bester Absicht in die Ärsche der lieben Leserschaft. Sicherheitshalber. Verheerend. Hütet euch. Hier ist man in der luxuriösen Situation, mit Buchstaben kein Geld erwirken zu müssen und weshalb hier was steht, hat den gleichen Grund, warum Menschen Nacktschnecken züchten. Weil es geht. Ihr dürft euch also sehr sicher fühlen und ganz klassisch als stumme Resonanzböden betrachten. Danke für eure Zeit, ihr Draufgänger.


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