Was zum Träumen? Bitteschön: Findet euch wieder, liegend, auf einer berühmten Couch; es riecht nach Zigarre und Formalin und von oben spricht ein Bart zu uns. „Nun, zu meiner Analyse. Sie sind ordentlich, sparsam, geradezu pedantisch pünktlich. Ich diagnostiziere einen ausgeprägten Analcharakter. Bedauerlich.“ Oh, das muss wohl einer seiner berühmten Versprecher gewesen sein: „Bei allem Respekt, Herr Prof. Dr. Freud, ich verstehe Sie akustisch sehr schlecht. Was Sie gerade als pathologischen Charakterzug degradieren, ist andernorts Einstellungskriterium. Trinken sie das Formalin eigentlich?“ Der Mann wirkt verärgert. Noch bevor sein Bart sich Luft holen kann, betritt Marcus Aurelius mit einem Megaphon die Praxis: „Siggi, wer dich verärgern kann, wird dein Gebieter! Ärger ist der kindliche Protest dagegen, dass die Welt dir nicht gibt, was du aus deiner Sicht verdien…“ Wir nicken an den richtigen Stellen, bis sein erfrischender Einwurf durch die Gegensprechanlage der Praxis unterbrochen wird, ein Herr Darwin will was: „Meine Herrschaften; wie ist es möglich, dass hier jemand angesichts des Wunders der Evolution überhaupt einen zusammenhängenden Satz formulieren kann ich ein Autogramm haben?“ Während man also routiniert die Couch signiert, schwappen Gesprächsfetzen aus dem Wartezimmer für kontextuelle Zusammenhänge: „Sind wir nicht alle Opfer unserer Gier und Geltungssucht? Gefangen in einem Gewand, das aller Welt gefallen soll, obwohl sich niemand darum schert, außer der Schneider? – Für wahr, Epiktet, und was tut die Welt denn im Gegenzug, um UNS zu gefallen?“ Sie dreht sich. Weitermachen.