Kinder des Zeitgeistes, wartet mal kurz. Wenn´s geht. Man wartet ja sonst kaum noch. Alles wunderlich wartungslos. Warten ist outdatet. Verlernt. Statt mit erhabenem Blick Welt und Wolken zu zelebrieren, verkrampft der Mensch zur drängelnden Lichthupe. Überschüssige Minuten werden mit dem Handy erlegt und routiniert in Echtzeit vergessen. Bewusste Entscheidungen mündiger Zeitverbraucher der Postmoderne! Don´t panic. Breathe. Zeithysterie ist zwar ansteckend, aber ansonsten eine flippige Seuche. „Überhastetes Ableben durch Ignoranz des Moments“, steht dann irgendwo zwischen den Drehbuchzeilen. Da kann man schon mal LAUT GROSSBUCHSTABEN REDUZIEREN DIE LESEGESCHWINDIGKEIT, WEIL JEDER BUCHSTABE DANN EINZELN VOM HIRN ERFASST WIRD lesen und denken und leben; von Moment zu Moment. Oder man schläft auf dem Gaspedal ein und erträgt sie heroisch, die zombifizierten Minuten auf der Kalender-Rückbank mit ihrem rachsüchtigen Gebell: „Du gestaltungsunwilliges Konsumvieh, jede Zeitlücke scrollst du in die Timeline-Schlucht, machst sie zur Hymne auf die Berechenbarkeit, zum Co-Abhängigen deiner Dopaminsucht, warte mit Inbrunst! Leben oder gelebt werden, was für eine Frage!“ Unschön. Also Augen auf beim Zeitverbrauch, in Großbuchstaben warten, SM-Apps nur für Notrufe nutzen und auch sonst unberechenbar bleiben. Man lebt dann länger. Trotz rauchen. Und statt „warten“ kann man auch Schöneres sagen: Bonuszeit, werte Fahrgäste.