Na, wie ist das Befinden? Müde? Schlaff? Ausgelaugt? Auf dem Zahnfleisch spazierend? Sehr gut. Ihr seid der lebendige Beweis eines brachialen Phänomens. Worte schaffen Realität. Frühjahrsmüdigkeit ist eine sehr exklusive Plage, man kennt sie nur in Schland. Krank und müde durch Worte. Heilung durch Grenzübertritt. Merket: Sprache lenkt nicht nur das Denken, sondern kickt auch physisch auf breiter Palette rein. Niemand kann beschwingt durch ein Drehkreuz flanieren und dabei „Personenvereinzelungsanlage“ sagen. Man fühlt sich dann zu komplex. Aber am Ende sind es die vermeintlich naiven, die treudoof glotzenden Wortviecher, die Menschen im großen Stil ins Grab hypnotisieren, wenn man sie einfach machen lässt. (Alltag hat den Chat verlassen.) Man muss sich hüten beim Selbstgespräch. Oder Sprache andersrum nutzen, das ist zwangsläufig sehr beliebt, liebe Feelgood-Manager. Und so entstehen flauschige Affirmationen mit Samtbezug und handgefertigten Holzseitenteilen, Worte wie bequeme Rückenlehnen, phantasievolle Eigenkreationen der psychosomatischen Wortakrobatik, Magic Moments im Thinktank der Softskill-Ninjas. Noch was? Ja. Sprache ist eine lebendige Pflanze und geht man ihr zu rabiat ans Wurzelwerk, kann es zu wilden Enzymreaktionen kommen. Maniok erzeugt in dem Fall Blausäure. Und Sprache Bullshit. Bestenfalls.