Trümmer-Bild Realität

Liebe Naturwunder; nur nicht wundern. Der Alltag will bewältigt werden, nicht bewundert. Und dazu muss man mit selbstverständlichem Blick rumlaufen und sich sehr niedrigschwellig in Echtzeit an seine Mitmenschen vermitteln. Sich und seine Liebsten; denn als ausgewachsene Naturgewalt in Menschenform ist man immer viele. Sohn, Kumpel, Bausparer, Patient, Verbraucher, Raucher, Mausibär und vieles mehr. Ein diffuser Cast, eine irritierende Gleichzeitigkeit der Realitäten. Und fehlt die Regie, dann steht SIE im Raum. Die Mudda aller Probleme; fast jeder Stress stammt von ihr ab. Wer sich als Freund versteht, aber den Kunden spielt, zahlt nur mehr. Taxifahrende Alkoholiker sind riskanter. Die Rolle des Mausibärs ins Büro zu verschleppen, kann den Job kosten. Und wenn die gemeinsame Szene der Rollen „Liebhaber“ und „Ehemann“ nicht in geschlossenen Foren als Fetisch stattfindet, darf man mit einem Engagement als Exmann rechnen. Zum Glück ist unser Hirn ein Organ, das Puzzle mit dem Hammer löst. Man hat also jederzeit eine servierfähige und schlüsselfertige Geschichte, die einen wieder zur halbwegs plausiblen Gestalt zusammensetzt. Obacht. Wer das so entstandene Trümmerbild allzu sorglos zur Realität des Publikums macht, setzt seine Gesellschaftsfähigkeit aufs Spiel. Und wacht dann unter Umständen in einem vergitterten Patientenzimmer auf, als Requisit im Leben eines Mannes mit weißem Kittel und beunruhigend selbstverständlichem Blick. Stay tuned.