»Studienhabenergeben«

Freunde des Moments! Wer altert, weiß: die Gegenwart hat recht. Nur Mentalisten diskutieren mit dem Ist-Zustand. Ob es richtig war, auf eine Röntgenparty zu gehen, sich die Zähne mit Barium zu lackieren oder dem Nachwuchs gegen Husten Heroin zu geben, weiß man immer erst danach. Und solange Studien ergeben, dass Asbest ein toller Baustoff ist, freut man sich und baut damit. Vorwürfe oder Gewissensbisse? Ein zart ins Ohr gehauchtes »Studienhabenergeben« und man kann sorglos zehn Eier frühstücken und kandierten Schweinebauch. Ansonsten steht »Studienhabenergeben« gerne adrett aufgeplustert als Schlagzeile rum, verkündet neue Realitäten, ersehnte Antworten und vereinfacht die Dinge sehr heilsbringend. Man weiß dann endlich, wie es wirklich ist. Es ist eine Phrase mit Ellbogen aus Stahl. Stainless. Und kommt sie in Begleitung eines breitbeinigen »Expertenzufolge« kann man einpacken. Laut Umfragen. Die magische Dreifaltigkeit hypnotischer Überzeugungskunst – Studien, Experten, Umfragen – effizient beim Realitätenbau wie IKEA beim Regalverkauf. Für Menschen, die zwielichtige Produkte vergolden möchten, fetzige Schlagzeilen brauchen oder einfach nur süchtig nach Geld sind, ist das sehr segensreich. Ansonsten gilt: Was man sich nicht leisten kann, das wird auch keine Studie ergeben und Sand zu zählen heißt nicht den Strand zu verstehen. Takeaway: Bitte nur Studien fälschen, an die man selbst geglaubt hat. Bleibt skeptisch.