Freunde des Moments, wer altert, weiß: die Gegenwart hat recht. Nur Mentalisten diskutieren mit dem Ist-Zustand. Und ob es richtig war, auf eine Röntgenparty zu gehen, sich die Zähne mit Barium zu lackieren oder dem Nachwuchs bei Husten Heroin zu geben, weiß man immer erst danach. Und solange Studien ergeben, dass Asbest ein toller Baustoff ist, freut man sich und baut damit. Vorwürfe oder Gewissensbisse? Ein zart ins Ohr gehauchtes »Studienhabenergeben« und man kann unbesorgt zehn Eier frühstücken oder frittierten Schweinebauch. Ansonsten steht »Studienhabenergeben« gerne adrett aufgeplustert als Schlagzeile rum, verkündet neue Realitäten, ersehnte Antworten und vereinfacht die Dinge sehr heilsbringend. Man weiß dann endlich, wie es wirklich ist. Es ist eine Phrase mit Ellbogen aus rostfreiem Stahl. Und kommt sie in Begleitung eines breitbeinigen »Expertenzufolge« kann man einpacken. Laut Umfragen. Die Dreifaltigkeit magischer Überzeugungskunst – Studien, Experten, Umfragen – hypnotischer lässt sich Vertrauen nicht locken. Für Menschen, die zwielichtige Produkte vergolden, fetzige Schlagzeilen brauchen oder einfach nur süchtig nach Geld sind, ist das sehr segensreich. Ansonsten gilt: Was man sich nicht vorstellen oder leisten kann, das wird auch keine Studie ergeben und Sand zu zählen heißt nicht den Strand zu verstehen. Takeaway: Bitte fälscht nur Studien, an die ihr auch selbst glaubt.